"Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche"F.W. Bernstein

Elche sind die größten auf der Erde lebenden Hirsche. Ihr Verbreitungsgebiet liegt in unserer nördlichen Hemisphäre. Einige Wissenschaftler unterteilen sie in zwei Arten: Den Eurasischen und den Amerikanischen Elch. Bereits vor 2 Millionen Jahren gab es diese Huftiere bzw. ihre noch größeren Vorfahren in Eurasien. Von dort wanderten vor rund 15.000 Jahren ein paar von ihnen über die Beringstraße – damals noch eine Landbrücke – nach Amerika weiter. Kultisch verehrt haben wir Menschen diese Tiere überall, wo wir ihnen begegneten. Sie dienten uns als Nahrung, Kleidungslieferanten und spirituelle Inspiration. Ihren Namen Elch erhielten sie von den Germanen. Er beschreibt ihr Fell und bedeutet rot oder braun.

Die eindrucksvolle Größe und Kraft der Elche weckte immer menschliche Begehrlichkeiten, sie als Zug- und Lasttiere zu domestizieren, zuletzt noch im letzten Jahrhundert unter Josef Stalin. Alle Versuche blieben erfolglos. Das Wesen der Elche ist einfach zu scheu und für die Haltung als Haustier ungeeignet. In Russland gibt es zwar von Menschen per Hand aufgezogene, in Freiheit lebende Elchkühe, die im Tausch gegen Futter an die Höfe wandern und sich melken lassen. Diese besondere Art touristischer Attraktion bleibt allerdings eine seltene Ausnahme.

Ihre dichten Fellhaare sind speziell für kaltes Klima gemacht und innen hohl. Die so eingeschlossene Luft schützt sie besser als der dickste Parka und sogar bei Temperaturen bis zu Minus 50° Celsius. Hitze vertragen Elche weniger gut. Hitze belastet sie körperlich sehr. Sie bevorzugen daher dunkle Wälder und suchen im Sommer Abkühlung in Sümpfen und Seen.

Elch steht trinkend im Wasser eines Waldsees
Foto: Clickerhappy

Was viele nicht wissen, ist, dass Elche tolle Schwimmer und Taucher sind und sich von Unterwasserpflanzen ernähren. Auch hier bewähren sich die Lufträume in ihren Fellhaaren, die wie eine natürliche Schwimmweste wirken. Mit bis zu 60km/h sind sie auch beeindruckend schnelle Läufer.

Elche sind Einzelgänger. Während der Brunft paaren sich die Männchen nicht mit einem Harem aus Weibchen, wie Rothirsche oder Damwild, sondern meistens mit nur einer Elchkuh. Die allerdings verteidigen sie mit vollem Einsatz gegen sie herausfordernde andere Bullen. Außerhalb der Paarungszeit zeigen sich ältere Elchmänner manchmal mit jüngeren Bullen. Sie geben ihnen ihr artspezifisches Erfahrungswissen weiter. In sehr kalten, schneereichen Zeiten kommen Elche in losen Gruppen zusammen. Biologen vermuten, dass sie zusammen leichter Schneisen in tiefe Schneelagen treten können und sich an Orten, wo noch Nahrung zu finden ist, sammeln.

In ihrem Lebensraum helfen Elche den anderen Lebewesen. Den Wäldern helfen sie, indem sie Jungbäume fressen. Dadurch gelangt mehr Sonnenlicht an die Böden. Zarte Wildpflanzen danken es ihnen und können so wachsen. Über ihren Dung verteilen Elche Samen kilometerweit und tragen wichtige Nährstoffe, wie Stickstoff und Phosphor, aus den Gewässern über den Erdboden. Für Wölfe und Bären sind sie wichtige Fleischlieferanten. Das sorgt für gesunde Bestände, sowohl bei den großen Hirschen als auch den Raubtieren.

Wie bei den meisten Hirscharten tragen nur die Bullen Geweihe. Jedes Jahr ab November werfen ihre Körper die großen Schaufeln ab, um sie im Frühjahr des folgenden Jahres neu nachzubilden. In unserer Kategorie Shorts kannst du sehen, wie ein nordamerikanischer Elch in Kanada geübt sein Geweih abschüttelt.

Mit dem Roden der Wälder und der Austrocknung unserer Sümpfe verloren Elche in Deutschland ihren Lebensraum. Durch Schutzbemühungen in Polen haben sich dortige Bestände erholt. Dann und wann wandert ein einzelner Elch über die Grenze und erkundet unsere ostdeutschen Wälder und Landschaften. Einer sucht während der Brunftzeit immer wieder unter artfremden Kühen nach einer Partnerin. Mehr dazu erfährst du in dieser Reportage:

Elche in Brandenburg – Arte-Reportage

UPDATE v. 24.09.26: Elch Bert, der in der Reportage gezeigt wird, ist leider am vergangenen Samstag verstorben. Die Ursache für seinen Tod wird aktuell am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin untersucht. Bert streifte 8 Jahre lang durch Brandenburg und lebte seit 2019 im Naturpark Nuthe-Nieplitz im Südwesten von Berlin.