Elefanten leben seit mindestens 60 Millionen Jahren auf der Erde. Zum Vergleich: Uns Menschen gibt es erst seit rund 2,8 Millionen Jahren. Was uns eint, ist, dass wir beide der Wissenschaft zufolge aus Afrika stammen. Heute noch lebende Arten sind der Afrikanische, der Asiatische und der Waldelefant. Die sehr selten gewordenen Zwergelefanten Borneos gelten als eine asiatische Unterart.

Alle Elefanten verfügen über ein bewundernswertes Gedächtnis. Wir sprechen daher von einem "Elefantenhirn", wenn wir veranschaulichen möchten, wie stark das Erinnerungsvermögen eines Menschen ausgeprägt ist. In der Natur hilft den Tieren das etwa bei der Orientierung und Navigation während ihrer Wanderungen über viele Kilometer zu wichtigen Futterplätzen und Wasserstellen, zum Beispiel während Trockenzeiten. Wissenschaftler konnten eine Elefantenkuh beobachten, wie sie ihre Herde an ein Wasserloch führte, das sie zuletzt 10 Jahre zuvor aufgesucht hatte — das veranschaulicht nicht nur ihr gutes Gedächtnis, sondern auch, wie wichtig für die Gruppentiere die Weisheit und Erfahrung ihrer älteren Tiere sind. Die sanften, grauen Riesen leben in sozialen Gruppen wie Familien, die weiblichen Vertreter in Herden und die männlichen in losen Verbünden. Sie erkennen sich gegenseitig auch nach vielen Jahren des Getrenntseins wieder.

Elefanten zeigen weitere Verhaltensweisen, die unseren ähneln: Sie trauern bei Verlusten ihnen wichtiger Artgenossen und anderen Schicksalsschlägen und zeigen sehr viel Empathie füreinander. Wie man ihnen äußerlich ansieht, verfügen Elefanten über eine enorme Kraft. Ausgewachsene Tiere können ein Vielfaches ihres eigenen Körpergewichts tragen, ziehen oder wegdrücken. Wenn sie sich selbst oder ihre Kinder bedroht sehen, auch in der Paarungszeit, wenn die Hormone hochkochen, oder wenn sie Schmerzen haben, können die überwiegend genügsamen Elefanten für Menschen lebensgefährlich werden.

Elefantenherde auf einem staubigen Waldweg
Foto: Anirudda Das

Die Beziehung von Mensch und Elefant ist vielschichtig. Vor rund 5.000 Jahren begannen wir, sie im indischen Raum als Arbeitstiere für Lasten und schwere Zugarbeiten einzusetzen, wenig später auch in der Kriegsführung. Seit jeher waren sie ein Statussymbol für Macht bis hin zur Göttlichkeit. Wer einen Elefanten bezwingen konnte, unterstrich seine königliche Herrschaft bis zur Unbesiegbarkeit. Kaiser, Könige und Pharaonen hielten die Tiere in ihren privaten Tiergärten, z.B. im antiken Ägypten. In Asien setzte man sie ca. ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. in hinduistischen Tempeln ein, anfänglich als Wasserträger, später in Zeremonien und Paraden.

Die meisten von uns hier in Deutschland lernen Elefanten in Zoos oder Zirkussen und nicht in ihrer natürlichen Umgebung kennen. Elefanten sind Wandertiere. Täglich legen sie auf der Suche nach Nahrung 20 bis 50 Kilometer zurück, in extremen Trockenzeiten sogar bis zu 150 Kilometer weite Strecken. In den für sie ungewöhnlichen Lebenslagen in Zoos und Zirkussen müssen sich die Tiere sehr einschränken und werden speziell dressiert, um die notwendigen Grenzen zum Schutz von Menschen oder anderen Tieren zu wahren oder Kunststücke für zahlendes Publikum aufzuführen. Biologen sehen diese erzwungene Haltung häufig kritisch. Viele Elefanten in Zirkus- und Zoohaltung entwickeln Depressionen, Gelenkschäden und Hautkrankheiten. In Europa leiden 35–43 % der Elefanten in Zoos und privater Haltung durch langes Stehen auf künstlichen Untergründen unter schweren Fußerkrankungen. Sie haben schmerzhafte Verformungen der Zehennägel, Sohlengeschwüre oder Fußfäule. Die bakterielle oder auch pilzbedingte Fußfäule ist eine der häufigsten Ursachen für den Tod von Elefanten in Gefangenschaft. Besonders in der Kritik stehen Zirkusse, wo Elefanten stundenlang angekettet werden, lange Transporte über sich ergehen lassen und in der Dressur für sie unnatürliche Bewegungsabläufe erlernen müssen. Um sie zu extremen Kunststücken zu bewegen oder um ihren Willen für andere Zwecke gefügig zu machen, setzen Menschen seit nachweislich 2.500 Jahren sogenannte Elefantenhaken ein, insbesondere an besonders schmerzhaften Körperstellen der Tiere. Das sind lange Stöcke mit einem gebogenen Aufsatz und einer scharfen Spitze aus Metall.

Wildtiere sind nicht gefügig wie zahme Tiere. Ihre Wesen sind für ein freies, eigenverantwortliches Dasein gemacht. Anders als ausgewachsene Tiere sind Elefantenkinder noch nicht zu groß und gefährlich, um sie für ein Leben in Gefangenschaft zu formen. Aus Asien stammt der Begriff „Phajaan", übersetzt wird das mit „Trennung" oder auch „Einbrechen" und beschreibt eine Dressurmethode für Elefanten. Die aus der Wildnis gefangenen Elefantenbabys werden von ihren Müttern isoliert, in Käfige gesperrt, eingeschnürt und über lange Zeiträume geschlagen und drangsaliert. Das werden sie ihr Leben lang nicht mehr vergessen und durch ihre Angst davor, erneut in so eine verzweifelte Lage zu kommen, ordnen sie sich von da an den Menschen unter. Um Touristen und Käufer nicht zu verlieren, wird diese Folter-Methode vor der Öffentlichkeit aufwändig versteckt. Wer in Asien auf einem Elefanten reitet oder ein Tempelfest besucht, begegnet Elefanten, denen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit durch Phajaan ihr Wille gebrochen wurde. Ich erinnere mich, wie in meiner eigenen Kindheit das Elefantenreiten auch in westlichen Zoos noch üblich war. Niemand wusste, wie die Tiere dazu gebracht wurden, uns ruhig auf ihren Rücken zu tragen. Erst vor wenigen Jahrzehnten kam die grausame Dressur-Praxis ans Licht der Öffentlichkeit. In Europa sind solche, die Ele-Babys traumatisierenden Verfahren unüblich. Seit einigen Jahren werden Elefanten für diese Zoos nicht mehr wild gefangen, sondern in Gefangenschaft geboren. Die älteren, aus Asien importierten Elefanten allerdings haben das Phajaan mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit als Kind erleiden müssen.

Zirkuselefant balanciert mit erhobenen Vorderbeinen auf einem Hocker in der Manege
Foto: Clarence Alford

Zum Glück verändern sich menschliche Haltungen zu den Elefanten: Durch den jahrzehntelangen Druck von Tierschutzorganisationen und Elefantenexperten hat der europäische Zooverband EZA seinen rund 400 Mitgliedern — Tierparks in Europa und Asien — auch den Einsatz der Elefantenhaken im Jahr 2023 verboten.

Policy-Dokument zum Einsatz von Elefantenhaken (PDF)

Bis 2030 verschärft die EZA ihre Vorgaben für die Elefantenhaltung sogar noch weiter. Ab dann sollen physische Kontaktbarrieren zwischen Zoo-Pflegern und Elefanten grundsätzlich vorgeschrieben sein, und die Erziehung der Tiere darf nur noch durch positive Verstärkung erfolgen, also Lob, Belohnung oder Spiel. Eine gute Entwicklung. Auch Zirkusse, die wilde Tiere einem Publikum vorführen, werden erkennbar weniger. In vielen europäischen Ländern ist die Zirkushaltung von Elefanten verboten. Deutschland bildet eine Ausnahme und ist generell Schlusslicht in der EU beim Schutz von Wildtieren in der Unterhaltungsbranche. Manchmal erstaunt, welche neuen Möglichkeiten Menschen finden, um sich durch das eindrucksvolle Wesen der Elefanten selbst in Szene zu setzen. Jüngst gab es einen Vorfall zweier deutscher Influencer, die den ehemaligen Zirkuselefanten Citta angemietet hatten, um Klicks zu generieren. Viele Follower waren davon wenig begeistert und kritisierten den offensichtlichen Zwang der Elefantendame, erniedrigende Kunststücke in einer Bühnenumgebung vorzuführen.

Bericht zum Vorfall (Bild.de)

Elefanten können ein Lebensalter von 70 bis 80 Jahren erreichen. Besser als in Zoo und Zirkus sind sie in weitflächigen, natürlichen Umgebungen aufgehoben. Wenn Elefanten nicht mehr in die Wildnis zurückgebracht werden können, weil sie ihr natürliches Verhalten verlernt haben oder zu alt sind, bieten diese Zufluchtsorte Zirkusbetrieben und Zoos Möglichkeiten:

Elephant Haven, Frankreich

Elephant Haven ist eine 60 Hektar große Schutzfläche für ehemalige Zoo- und Zirkuselefanten, die Sophie und Tony, zwei ehemalige Tierpfleger vom Zoo Antwerpen, unterhalten.

Elephant Haven

Pangea Trust, Portugal

Der Pangea Trust von Kate und ihrem Team in Portugal hilft Zoos und Zirkussen, in deren Ländern Abstand von Elefantenhaltung genommen wird. Sie nehmen Tiere auf ihre eintausend Hektar auf.

Pangea Trust

Zwei Elefanten im Schutzgebiet
Zwei Elefanten im Schutzgebiet — Quelle: Elephant Haven

Lesetipp

Elephants on the Edge: What Animals Teach Us About Humanity von G. A. Bradshaw. Anm.: Leider gibt es noch keine deutschsprachige Ausgabe.

Rezension bei ISLE (Oxford Academic)